Hamburg – Die Blickfang Hamburg liegt zwar schon einige Wochen zurück (8.- 10. Mai 2026), aber es lohnt sich, auf diese Designmesse mit gut 100 Ausstellern aus dem In- und Ausland noch einmal einen Blick zu werfen. Irgendwie war sie in diesem Jahr besonders. Vielleicht lag es am guten Wetter, das dafür sorgte, dass helles Sonnenlicht über die Oberlichter in der Deichtorhalle die gesamte Ausstellungsfläche so wundervoll belichtete.

Vielleicht war es aber auch die neue und ungewohnte Anordnung der Stände in diesem Jahr, die dazu führte, dass man die Halle weniger als Ganzes, sondern unterteilt in kleine kreative Räume wahrnahm? Ich hatte jedenfalls das Gefühl, hinter jeder Wand, jeder Kurve wartete eine neue Designidee darauf, entdeckt zu werden.

Fotokunst von Stephan Zirwes

Von dem Stuttgarter Fotokünstler Stephan Zirwes habe ich dann erfahren, dass in der Halle zuvor eine Kunstausstellung stattgefunden hatte. Dadurch konnten viele, der auch farbig gestalteten Wände von den Ausstellern der Blickfang weiter genutzt werden. Bestens geeignet, um seine eigenen, oftmals großformatigen Fotobilder – manche davon mit KI bearbeitet, manche unter Einsatz von Drohnen aus der Vogelperspektive erstellt – zu wahren Blickfängen zu inszenieren.

Leuchten von Kuvalight

Licht – immer wieder faszinierend zu sehen, auf welche Ideen Designer kommen, um mit ihm Räume zu inszenieren und gleichzeitig dem funktionellen Anspruch von Licht gerecht zu werden. Hier erwiesen sich die beiden Stände der Amsterdamer Firma KUVALIGHT als echte Blickfänge für mich  – ein Label gegründet von Karim Elmorsi und Jacqueline Steunebrink – ein Paar, das nach dem Motto „Kunst wird Licht. Licht wird Kunst“ arbeitet.

Karim Elmorsi stellte mir in einem verdunkelten Raum mit großer Freude und viel Stolz die von ihm entworfene und gefertigte Wandleuchte BRAGA wall lamp  vor. Über ein Panel in der Hand lässt sich das Licht dieser aus Bambusholz gefertigten Leuchte, in die filigran floral-orientalische Muster eingearbeitet sind, nicht nur dimmen, sondern auch farblich immer wieder neu einstellen.

Pendelleuchten angelehnt an Tulpen

Ebenso schön und ausgefallen: die Pendelleuchte Art Deco Tulp, die von ihrer Form her bewusst an eine Tulpe erinnert und in vielen Ausführungen – klein, groß, in vielen Farben und auch als Tischleuchte – erhältlich ist. Eine liebevolle Reminiszens an die neue Wahlheimat des Paares: Amsterdam und die Niederlande.

Auch Liebhaber des eher minimalistischen Designs werden KUVALIGHT fündig: Leuchte Parallel Down Pendant eignet sich zum Beispiel bestens, um über einem Küchentresen für dimmbares und nicht blendendes Licht zu sorgen. Ich habe mich tatsächlich in alle drei Entwürfe gleichzeitig verliebt und werde bei meinem nächsten Besuch in den Niederlanden unbedingt auch mal im Showroom von KUVALIGHT im Design Center Europe in Culemborg vorbeischauen.

Bunte Outdoormöbel aus Afrika

Wo ich schon in die Ferne schweife: Stark in Erinnerung geblieben, ist auch der kunterbunte Stand von Afretna. Einem Unternehmen, das von Hamburg-Neumühlen aus für Möbelideen aus dem Senegal wirbt. Stühle, Sessel und vieles andere kommt in kunterbunten Farben und in manchmal auch ungewohnter Form daher. Nicht zuletzt, weil gewebte Nylon-Angelschnur in allen erdenklichen Farben für die Fertigung der Möbel verwendet wird. Die Form selbst wird durch rostfrei, verzinktes Eisen garantiert, so dass diese Möbel Wind und Wasser standhalten.

Wohnideen aus ausgedientem Holz

Das gilt aber auch für die Möbel von Jansson Mashup Design, denn sie werden aus Hafen-Holz, Sturm-Holz oder Brücken-Holz gefertigt. Hinter dem Label verbirgt sich der Name von Dag Jansson Perslow. Er fertigt zusammen mit seinem kleinen Team auf dem Peutedamm mit Blick auf die Elbbrücken und umgeben von Bootsbauern Stühle, Sessel, Tische und Vitrinen, die mal rustikal, mal eher zart und zierlich rüberkommen.

Tatsächlich kommen oftmals Duckdalben aus dem Hamburger Hafen oder aktuell Holz der beiden alten Seebrücken in Scharbeutz und Haffkrug zum Einsatz. Zeitlose Möbelstücke, wie Dag selbst betont, die in bewusster „Retro-Anleihe an die 50er, 60er und 70er Jahre“ entstehen. Kompositionen, die er selbst gern als Mashup bezeichnet – ein Begriff, der in der Musikszene für das Verschmelzen von Musiktiteln steht, ohne ihren jeweiligen Ursprung zu verhehlen.

Mode aus Österreich im Schottenlook

Zum Abschluss noch ein kleiner Ausflug in die Modewelt, die auf der Blickfang einen mindestens genauso großen Stellenwert einnimmt, wie die vielen Ideen aus der Wohnwelt. Auch hier präsentieren sich auf der Messe vor allem Labels, die großen Wert darauf legen, fair und regional zu produzieren und nichts von der Stange anzubieten.

Nicht zuletzt wegen des schottisch anmutenden und fröhlichen Auftritts des Modeschöpfers  und seines Partners selbst, ist mir hier der Stand von Lothar Daniel Bechtold besonders gut in Erinnerung. „Komm probiere mal diesen Mantel an!“ Ein Zuruf, dem ich gern folgte – wie viele übrigens, die sich von den schicken Mänteln, Jacken und Westen am Stand der beiden Männer angezogen fühlten.

Lieblingsstücke in Handarbeit gefertigt

Prompt habe ich mich in einen gold-gelben Mantel verliebt, der wie maßgeschneidert für mich schien. Nach eigenen Angaben fertigt Lothar Daniel Bechtold in seiner Manufaktur in Aspang (Österreich) seit mehr als vier Jahrzehnten „Lieblingsstücke in liebevoller Handarbeit.“ Dafür verwendet er nur hochwertige Stoffe – nicht selten kariert! Für mich steht seit dieser Anprobe fest: Kleider machen wirklich Leute! Nur leider war mir dieser Mantel in Gold-Gelb dann doch mit knapp 1200 Euro ein Tick zu teuer…